Lexikon


Scheuklappen
 Verschiedentlich sind Pferde etwas guckerig und konzentrieren sich nicht auf das Rennen. Manchmal sind sie ängstlich, wenn ein Pferd direkt neben ihnen galoppiert und manchmal ist es auch einfach nur Neugier. Um die Aufmerksamkeit der Pferde zu verbessern, starten solche Pferde mit Scheuklappen im Rennen.

Scheuklappen dürfen die Sicht des Pferdes nach vorne nicht behindern. Sie schränken lediglich das Sichtfeld zur Seite und nach hinten ein. Im Rennprogramm werden Scheuklappen hinter dem Pferdenamen mit der Abkürzung "SKL" vermerkt.

Das Tragen von Scheuklappen muß bei der Starterangabe mitgeteilt werden. Das Pferd muß mit Scheuklappen den Führring verlassen. Gehen sie im Rennen verloren, ist das kein Protestgrund.

Im Rennprogramm steht bei Pferden, die mit Scheuklappen starten, hinter dem Namen "SKL"


Sicher (Richterspruch)
 Sicher, Begriff des -> Richterspruchs


Stalljockey
 Ein Stalljockey hat eine feste Verpflichtung für einen Rennstall. Das kann sich auf eine Trainer beziehen oder auf alle Pferde eines Besitzers, egal bei welchem Trainer sie stehen.

Hat ein Stall mehrere Pferde im Rennen, so kann der Stalljockey wählen, welches er reiten möchte. Nur wenn der eigenen Stall kein Pferd im Rennen hat, kann der Jockey für andere Trainer reiten.

Dazu gibt es noch den zweiten Ruf - hat der erste Stall kein Pferd in einem Rennen laufen, so steht der Stalljockey dann exklusiv für einen anderen Stall (den zweiten Stall) zur Verfügung.

Auch wegen der Kosten haben heute nur noch die großen Ställe einen festen Stalljockey. Dort gibt es dann manchmal auch noch den zweiten und den dritten Jockey, der die freie Wahl unter den Pferden hat, wenn der Stalljockey sich für ein Pferd entschieden hat.




Stammväter
 Alle heute lebenden Englischen Vollblüter gegen in direkter männlicher Linie (von Vater über Großvater über Ur-Großvater … => Hengstlinie) auf lediglich 3 Hengste zurück, die zwischen 1685 und 1724 nach England importiert wurden (die sog. Urväter der Vollblutzucht):

The Byerley Turk ( geb. ca.1680)
The Darley Arabian (geb. 1700)
The Godolphin Barb / Godolphin Arabian (geb. 1724).

Um das Leben dieser Hengste vor ihrem Import nach England ranken sich viele Legenden, so soll z. B. der Byerley Turk 1684 nach der Belagerung von Wien, in anderen Quellen nach der Belagerung von Buda 2 Jahre später von flüchtenden türkischen Truppen erbeutet worden sein.

Aufgrund der starken züchterischen Selektion im 18. Jhr. sind diese Urväter aber schon wenige Generationen später nur noch durch 3 sog. Stammväter in der Zucht vertreten:

Herod ((geb. 1758, Ur-Ur-Enkel des Byerley Turk)
Eclipse ( geb. 1769, Ur-Ur-Enkel des Darley Arabian)
Matchem (geb. 1748, Enkel des Godolphin Barb).

Von den ca. 100 orientalischen Hengsten die in GSB (General Stud Book), Bd. I verzeichnet sind (=> Vollblut), haben aber auch andere über ihre Töchter die Vollblutzucht geprägt. So gilt der Curwen Bay Barb nach Untersuchungen des irischen Genetikers P. Cunningham aufgrund seiner Häufigkeit in den Stammbäumen moderner Vollblüter als unbekannter vierter Urvater. Die Schimmelfarbe im Englischen Vollblut stammt, soweit man den Einträgen in den Bänden des GSB vertraut, mit großer Wahrscheinlichkeit vom Alcock Arabian.



Stempelhengst
 Eigentlich ein Begriff aus der Warmblutzucht, mit dem Hengste bezeichnet werden, die einer Zucht über mehrere Generationen ihren Stempel aufgedrückt unbd damit die Zucht geprägt haben. In der Trakehner Zucht gelten z. B. Tempelhüter (Vollblüter von Perfectionist aus der Teichrose) oder Dampfroß (Dingo - Laura) als ausgesprochene Stempelhengste. Noch über 100 Jahre nach dem eigenen Wirken sind sie in der Zucht nachhaltig vertreten.

In der deutschen Vollblutzucht ist ein bedeutender und heute noch sehr präsenter Stempelhengst Dark Ronald (Bay Ronald und der Darkie). Er ist durch seine ebenfalls berühmten Söhne und Enkel wie Alchimist, Birkhahn und heute vor allem durch Surumu und seine zahlreichen erstklassigen Nachkommen aus der Zucht nicht mehr wegzudenken.

Ein ähnlicher "Überhengst" war sicher auch der Erlenhofer Ticino, der über viele Jahre mit seinen Nachkommen die Vollblutzucht und den Rennsport in Deutschland seinen Stempel aufgedrückt hat. Durch das Ende der Erlenhofer Zucht bzw. deren vollkommener Neuorientierung ist Ticino heute leider nicht mehr so präsent, wie er es einst war.

Der Stemmpelhengst des 20. Jahrhunderts in der europäischen Vollblutzucht und vielleicht auch in der Vollblutzucht der Welt schlechthin ist der Italiener Nearco (Pharos - Nogara) der selbst Vater von über 100 Deckhengsten ist und in einer Vielzahl der Pedigrees der lebenden Vollblüter vertreten ist. Alle seine bedeutenden Nachkommen aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Kapitels sprengen und Seiten füllen. Stellvertretend seien nur die allerberühmtesten genannt Northern Dancer, Nijinsky und Sadler's Wells

Angeblich soll in Deutschland 1998 das letzte Pferd ohne Nearco in seinem Stammbaum geboren worden sein.


Stutenerlaubnis
 Zum Ausgleich der geschlechtsspezifischen Nachteile bekommen Stuten in einem Rennen einen Gewichtsvorteil von 2 kg. Von dem errechneten Gewicht enstprechend der Ausschreibung werden 2 kg abgezogen.

Daß das "schwache Geschlecht" bei den Pferden gar nicht so schwach ist, zeigen die Ergebnisse großer Rennen. Im Prix de l'Arc de Triomphe gab es in den 70igern und den frühen 80igern eine Serie von Stutensiegen.

In Deutschland war es vor allem Sven von Mitzlaff, der mit den von ihm trainierten Stuten in den großen Rennen immer wieder gegen die Hengste erfolgreich war.

Das "Deutsche Wunderpferd" schlechthin ist mit Schwarzgold eine Stute und das wohl beste Rennpferd aller Zeiten und Länder ist mit Kincsem auch eine Stute. Sie war ungeschlagen in 54 Rennen, gewann dreimal den großen Preis von Baden und war in vier Ländern (Österreich-Ungarn, Deutschland, England und Frankreich) erfolgreich.

Ein großer Kenner der Tennisszene meinte einmal, daß Steffi Graf in Ihrer Glanzzeit wohl nicht gegen die ersten 100 der männlichen Weltrangliste hätte gewinnen können. In der Leichtathletik sind die Frauen in allen Disziplinen im Vergleich zu den Männern chanchenlos.

So schwach kann das schwache Geschlecht bei den Pferden also im sonstigen Vergleich nicht sein.